Dienstag, 11. Januar 2011

Die Liebesgeschichte

Ganz Indien schien von der Prüderie einer konservativen Tradition in festem Griff zu sein. Ganz Indien? Nein, ein kleines Dorf im Norden leistet standhaften Widerstand und bewies mir das Gegenteil der anfänglichen Annahme.

Ich hörte von Frauen, die ihre Ehemänner betrogen, unverheirateten Frauen, die Männer nachts auf dem Handy anriefen, um ihnen zu sagen, sie sollen sich jetzt zu ihrem Haus schleichen und ein paar Stunden bleiben und Männern, die sich wie überall auf der Welt verliebten und für die Erfüllung ihrer Sehnsucht kämpften.

Eine herausragende dieser Geschichten ist die eines dieser Dorfjungen. Er verliebte sich in ein Mädchen aus einer anderen Religion. Jeden Tag besuchte er sie, trank Tee, aß mit der Familie und überwand seine Schüchternheit. Er und das Mädchen, das - als müsste ich es erwähnen - von ausgesprochener Schönheit war, fanden in den Unterhaltungen in dem Gegenüber einen fesselnden Charakter. Trotz aller Unterschiede reifte auch in ihr eine Liebe zu ihm.
Doch unerwartet wurde ihre Mutter schwer krank. Sie musste in das Krankenhaus der nächst größeren Stadt und er begleitet die Familie, denn alle hatten sich mit ihm angefreundet. Aus dem steten Besucher wurde ein Teil der Familie.
Tag für Tag saß er, da er wie der Zufall es wollte in eben jener Stadt studierte und wohnte, am Krankenbett und erlebte, wie die Mutter seiner Angebeteten von einfacher Krankheit ins Sterben glitt. Schließlich bestätigten das auch die Ärzte und die Frau bat, zu Hause zu sterben.
Er saß im Auto und hielt die Hand der Mutter. Sie hatte mittlerweile eine tiefe Liebe zu ihm gefunden, die sie in dieser schweren Zeit antrieb. Noch bevor sie das Zuhause erreichten, bemerkte er, dass die Hand, die er hielt, kein Leben mehr in sich hatte. Tod und Leben sollen ein Kreislauf sein. Ein Kreislauf, den zu unterbrechen, man anstreben solle. Für die meisten wäre das Ideal jedoch, das Sterben ganz aus dem Kreislauf zu streichen. Nur leben. Nur lieben.

Wenige Wochen später gestand sie ihm, dass sie nach Nepal gehe müsse; zum Rest der Familie.
Dort gelang es ihr und ihm für eine Weile, den Kontakt aufrecht zu erhalten, aber nachdem sie in ein Frauenhaus zog, das ihm als Mann nicht gestattete, anzurufen, schien ihre gemeinsame Geschichte vorbei zu sein.

5 Jahre später traf eine befreundete Verwandte aus dem früheren gemeinsamen Dorf das Mädchen, das nun eine Frau war, in Nepal und gab ihre Handynummer an ihn, woraufhin er sie anrief und fragte, ob die Beziehung von früher wieder aufgenommen werden könne. Sie glaubte zu erst nicht, dass er es ernst meine, doch aus einem Telefonat wurden viele und aus den vielen Telefonaten wurde eine Reise für ihn nach Nepal.

Er bat ihre Familie um Erlaubnis, sie heiraten zu dürfen, doch die verschiedenen Stämme waren Grund genug, diesen Gesuch ab zu lehnen.
Nichts, was er tat würde je ändern, aus welcher Familie er kam.

Sie beschlossen, dass sie ihn im April besuchen würde. Im Normalfall dieses Dilemmas ist es nämlich so, dass sobald die Familie bemerkt, dass ihre Tochter/Nichte/was-auch-immer in Schande lebt, sie die Hochzeit gewährt, da anders schlecht noch etwas zu retten wäre.

Das ist der Plan. Und sollte sie nicht kommen, wird er sie holen kommen, doch sie ist sich sicher, dass sie kommen wird.
To be continued … by life