Donnerstag, 23. September 2010

Die Tamilen

Allgemein freuen sich die Tamilien sehr viel. Bei einem Mann im Oriental, dem Einkaufszentrum Thanjavurs [sie haben vor allem Spielsachen, Kitsch, Kosmetik und fettige Süßigkeiten], der einen interessanten geschwungenen Schnautzbart über seinem Vollbart trug, bedankte ich mich für das Zurseitegehen auf Tamil, was nicht nur seine Augen zum Leuchten brachte, sondern auch seine Zunge zum Englisch. Jeder, dem man begegnet fragt, wo man her sein und da, wie ich vermute, die Tamilen nie etwas mit Deutschland zu tun hatten, bevor die Besatzer kamen und Europa wichtig machen, ist das tamilische Wort für alles, was mit Deutsch zu tun hat “german” und so weiß auch der kleinste Schuljunge, der, könnte man es erkennen, knall rot vor Scham werden würde, weil er einer wildfremden, weißen Frau, “Hi!” zuruft, bei dieser Antwort unabhängig von seinen Englischkenntnissen bescheid. Zu dem netten Bartmann das Orientel bleibt noch zu sagen, dass bei dem Film den ich kaufte, die Ausrede “Only to learn Tamil!!!” an der Kasse angebracht war, nachdem er die Verkäuferin gebeten hatte, ihm die DVD, die die Deutsche kauft, zu zeigen. Underworld 3, der einzige amerikanische Film im Laden, der, wie ich damals noch nicht wusste, nicht nur auf Tamil, sondern enbenfalls auf Hindi, Englisch, Italienisch und Tababebo-irgendwas zu sehen ist . Soviel zu der Sony DVD für 1,30 Euro...

Die Tamilen sind nicht nur freundlich und sehr gastfreundliches, sie sind das Volk Südasien, das zu einer bestimmten Zeit [Wikkipedia selber fragen hilft] das Königreich unter Raja [Tamil für König] über große Teile Südasiens ausgweitet hat. Mit der Kultur der Tamilen werden oft die endrucksvollen Tempelbauten verbunden,  unter anderen eindrucksvollen Komplexen auch den Tempel aus Sandstein in Thanjavur, der in dieser Woche seine Tausendjahrfeier zelebirtert [google hat schöne Bilder].

Allerdings auch das Volk der Inder, die an Nationalstolz und angeblich auch in der Schärfe ihres Essens nicht übertroffen werden. Da ich aufgrund der immernoch andauernden anfänglichen Schonkost noch nicht beurteilen kann, ob es scharf ist, bleibt nur zu sagen, dass es teilweise an ungarisches Essen erinnert. Mich zumindest, als heute Mittag im Soßentopf der Kinder, den ich ratlos starrend stumm fragte, ob ich die orange Flüssigkeit mit oder mit ohne Stückchen über den Reis kippen sollte, ein Fischkopf zur Oberfläche gerührt wurde, der mich ebenso ratlos aus denaturierten Fischaugen anglupschte.
 Zudem auch, nach meinen leidvollen Erfahrungen, die Gruppe von Männern, die wenn sie mal müssen, am Rand dre Straße müssen. Jede Hauswand, jeder Zaun, jeder Fluss ist ihnen recht und geschüttelt wird, no matter who's crossing by! Einen werten Herren durfte man Freitag schlafen auf einem LKWParkplatz beobachtend. Lässig, wie seine Männlichkeit raushing!

Den Tamilen ist die Familie sehr wichtig. Es gibt sowohl für die älteste Schwester der Mutter, als auch den jüngsten Bruder des Vaters eigene Namen. Wahrscheinlich auch wür alles da zwischen. Wie man sich denken kann, reden sie auch sehr gern über Familie, was ich bei meinen geliebten Weisenkindern unterlassen kann... Da ich, durch die geschickten Hände meiner Mutter bedingt, zwei Schwestern mit ebenfalls alttestermentarischen Namen habe, ist es auch für Tamilen einfach, diese zu wiederholen. Bei meinen geliebten Eltern, die ich überigens von vielen Grüßen soll, höre ich fragendes Gestammel. Kisen und Jugn sind nach der Tatsache, das und was ich gegessen habe, Gesprächsthema Numemr zwei in Bethesda am Morgen und Nachmittag, wenn ich sie besuche.

Meine beiden Lieblinge sind bis jetzt A.akka und M.J.R, den alle nur MJ nennen und sein Name wird oft gerufen. A.akka ist selber in dem Heim aufgewachsen und wurde nicht verheiratet, MJ ist ein ungefähr fünfjähriger Junge, dessen Nase immer läuft und der Falsch und Richtig aus seinem Wortschatz gestichen hat. A.akka hilft enorm. Wobei sie hilft, hängt davon ab, wo sie sich befindet. Bei dem kurzen Besuch in Mayialaduthurai [oder so], rettete sie uns Kesari, eine köstliche Köstlichkei aus Karotten und Zucker; im Nazarteheim ist sie die Mama für alles und meine bevorzugte Ansprechpartnerin; im Bethesda besucht sie die temporär schwer erkrankten und begleitet sie zum Krankenhaus, wenn niemand anderes verfügbar ist. MJ ist das Gegenteil. Er ist im Grunde einer dieser Beispiele für Menschen, die nicht genug Liebe bekommen könnte, aber durch seine Taten vor allem Wut auf sich zieht, die er in jedem Fall mit Tränen quittiert, die zum Himmel schreiend bezeugen, dass er doch gar nichts falsch gemacht hätte. Wenn er einem anderen Spielzeug wegnimmt, wenn er nicht gehorcht, wenn er noch eine Extrawurst braucht, oder, wenn ich schon beim Essen bin, den Teller der Sitznachbarin nimmt und wegwirft, weil sie schneller mit der Malzeit fertig ist als er und wenn dann auch noch per Handzeichen der Frieden mit ihm gebrochen wird, ist das alles völlig ungerechtfertigte Aufregung. Manchmal weint er auch, weil er nicht bevorzugt an dien Hand benommen wird, oder weil ich entschieden habe, dass ich genug mit seiner Sabbernase gekuschelt habe, oder wenn ich nicht verstehe, dass er vor allen anderen das Recht hat, einen Plastikkricketschläger zu bekommen um jene anderen zu hauen, ich das aber nicht so sehe und ihn mit rausschicken strafe.
Abends bin ich am liebsten bei meinen kleinen Tamilen und Tamilinnen, dann, wenn sie Müde sind, ihre Milch getrunken haben, nicht mehr mit den 15 Tageskindern um Aufmerksamkeit kämpfen und einfach nur noch ein bisschen Familienliebe vor dem Schlafengehen haben wollen. Dann gehe ich, Saraaka, um meine Hausaufgaben im Tamillesenundschreiben abzuholen noch kurz in den Essensraum und nehme so viele auf meinen Schoß wie eben Platz ist, naja, oder nur MJ ;).

Keep up with my posts and keep me posted!

PS: Underworl 3 ist ein guter Film ;) und Horrorfilmtamil nicht wirklich hilfreich ;

Die Sprachbarriere

Aufgrund der andauernden Verdaungstrackt-und-Indien-Problematik sitzt die Freiwillige, die offiziell nur Besucherin ist, an diesem Nachmittag im Zimmer, dankbar, dass kein Powerbreak den Deckenventilator außer Gefecht setzt und gewiss, dass der Toaster die Schonkost köstlich zubereitet. Nachteilig bedenkend, dass die Bethesdabewohnerinnen an jenem Nachmittag keine Hape K. Immitation hören werden und dass E., eine begnadete, des Englischen mächtige, bettlägerige, von Depressionen beeinträchtigte, schöne Frau, heute keinen Grund hat, ihre Kassetten noch einmal zu hören, freut sie sich über alle zu beantwortenden Mails.

 E. bescherte mir den ersten wirklichen gulps Moment, als sie in ihrem Bett liegend ein Lied sang, in dem sie Jesus einlud, in ihr Herz zu kommen und dort zu bleiben, das durch E.s hohe, schöne, und dennoch schwache Stimme nur an Kraft gewann.[gulps; eng. onomatopoetischer Comicideom für betroffenes Schlucken]


 Ich gebe zu, dass ich mich hier sehr wohl fühle und die Herausforderung, eine neue Sprache und eine Silbenschrift zu lernen, mich jeden Tag antreibt. Nichts desto weniger bleibt eine Sprachbarriere, die auffallend selten mit Zeichen gelöst werden kann: Da so gut wie jedes zweite Kind eine Atemwegserkrankung hat, sollten die Becher, mit denen sie trinken vor dem Kindswechsel gewaschen werden. Meine beschränkte Auffassungsgabe genüt meist jedoch nur, um eine nicht aufgeschriebene Vokabel im Kopf zu behalten und so ist es mir möglich, einem Kind zu befehlen, den Becher zu waschen. Dieses ist leider völlig unmöglich, nachdem ich zu erst erfragt, was “Hol dir einen Becher!” heißt, dann angwandt und schließlich triumphierend drei neue Becher mit dem abgekochten Wasser gefüllt habe. Um die Ecke zum Waschbecken auf Kinderhöhe [Mein Partenkind würde sich wie im 7. Himmel fühlen] zu zeigen, bereitet doch einige Schwierigkeiten und die Ecke, die Wasserbehälter und Becheraufbewahrungsort von einander trennen, ist bei zehn vor einem stehenden Knirpse auch irgendwie unüberwindlich. Zu dem gewinnt die Sprachbarriere an breite, wenn sich die knuddeligen Dinger über mein Tamil lustig machen. Es verdient natürlich ein paar Freundenschreie, dass sie alles, was man laut genug sagt, nachplappern – schließlich lässt sich ein englisches Alphabet so am leichtesten lernen und nicht nur das, auch Klatschspiele! – aber ein “Setz dich hin [Utkar!!!]” ist in den seltensten Fällen, um nicht zu sagen nur bei uns dummen Deutschen als Wiederhohlungsaufforderung gemeint... Von Vorteil ist es dennoch, denn trotz meiner strengen Maske á la Folchoch [Franz. Literatur ist empfehlenswert, wenn man diese Anspielung verstehen will - die DVD steht in meinem Regel], die zur Essenszeit von Nöten ist, kann ich mich doch keiner Kuscheleinheit am Abend erwehren, bei der die liebe Nathini gern und schön alles nachsagt, was ich ihr Deutsches ins Ohr flüstere. Dazu muss man sagen, dass das Tamil der deutschen Aussprache wesentlich näher ist als zB der englischen.


Im Bethesda ist die Sprachbarriere kaum Vorhanden! Einmal, weil D. und R. des Englischen mächtig sind, zwei vitale Damen, die meinen “Classes” [zu Deutsch: wir sitzen im Kreis, spielen Ball, ich rufe “Hurrle(man denke an Hurrtz)” und oder oder ich lerne Tamillieder] zum Großteil beiwohnen und, weil sich ausnahmslos jeder über meine tamilische Version von “How are you” [Ningal diaparin irkingää] freut und ihre Lieblingsfrage: “Hast du schon gegessen” [Saptinglaa] auch per Zeichensprache eindeutig ist.
Langsam aber stetig lernden überwinde ich step by step das, was in den ersten Tagen so unüberwindlich schein, gewiss, dass ich auch wenn ich lesen kann, die 15 Minuten-Kniegebete nicht den 15-Minuten-eng.-Bibel-lesen vorziehen werde; jeden morgen um 8.
Keep up with God, or whatever you worship!

Montag, 13. September 2010

Der Sari

“Meine Mama wäre stolz auf mich, weil ich schon am ersten Wochenende eine Frauenbewegungskonferenz besuchte; meine Schwester wäre stolz auf mich, weil ich auf der Zugfahrt ein Gewitter beobachtete und die meterologischen Gegebenheiten verstand; meine Papa wäre stolz auf mich, wegen der Bilder, die mit seiner Kamera zu stande kommen und meine große Schwester wäre stolz ob der Geduld, die ich den Kinder gegenüber zeige.“
Dass ich die Konferenz bloß einer Freundin wegen besuchte, die in dem Kinderheim arbeitet, welches Veranstaltungsort ist, und dass ich mich nur an den Erdkundeunterricht erinerte, weil die Zugfahrt ebenso langweilig wie langwierieg war, und dass ich zwar Bilder machen, jedoch das Kamera-PC-Verbundungs-Kabel vergessen habe, und dass ich nur so geduldig bin, weil ich ihre Sprache nicht spreche und kaum Wiederworte geben kann – all das muss schließlich niemand wissen :)

 “Schnee drüber, Schwamm von Gestern” (Oma aus Spiderman 2)

An besagtem Wochenende trugen wir auch unsere ersten Saris, Meterlange kunstvoll gewickelte Stoffbahnen, die gefühlt mehr nackt machen, als sie in die keusche Kultur zu passen. Obgleich ich mich erinnerte, wie und wann gefaltet werden musste, überließ ich das Meisterwerk einer Ehemaligen, die auch gerade zu Besuch in besagtem Kinderheim war. Wir alle fanden die Resultate ihere Arbeit äußerst indisch und unglaublich schön. Nur so vor Freude auf den zwei einhalbstunden langen folgenden Gottesdienst strotzden begab ich mich auf die Dachterasse vor unserem Zimme und rief “Annakka”, eine und begleitende Kindergärtnerin, zu. Sie schaute lächelnd zu mir auf und verkündete, sie hätte Blume für unsere Haare gekauft. Da stapfte sie schon die Treppen hinauf.  Wer das gewickelt hätte, bat sie zu wissen. Stolz wie Egon verwies ich auf Janna. Annakka rief zwei weitere Frauen hinauf und mit den beiden sie begleitenden machten sich die Fünf auf, uns eine echtes “Indan-makeover” zu geben.

Die Saris wurden abgewickelt, neu gewickelt, gefalten, ge-sicherheitsnadelt; die Zöpfe wurden aufgetrennt, die Haare neu gebüstet und die Jasmingirlanden ins Haar gesteckt. Ja, wir wurden zu echten, hübschen Frauen!
… Bis auf die kleine Tatsachte, dass die Schneiderin der Blusen etwas gepatzt hatte und mein Büstenhalter sich freudig der keuschen Kirchgemeinde präsentieren wollte... wozu hat man Sicherheitsnadeln und meterlangen Stoff, wenn nicht, solche Kleinigkeiten auszubessern!?

“Schwamm drüber, Schnee von Gestern!” Ich freue mich auf die nächsten Saris und nicht nur, weil sie wieder “schopping” bedeuten, sondern, weil es Kulturrepräsentanten einer der ältesten Kulturen der Erde sind, die den weiblichen Körper – ob schlank, ob wohl geformt, ob üppig – in Szense setzen und dabei nur Andeutungen der Schönheit zulassen, die Gott als den weiblichen Körper schuf.
Jede Kultur hat Schwachstellen, doch sieht man die indischen Frauen, ihre Tänze, ihre Kleidung, ihren Schmuck und ihre Schönheit, dann weiß man, dass nicht alles nur Schlecht ist, was in einem Vergleich schlecht darsteht.

Für diese Wochte einmal ein Lied aus dem Gilmore Grils Soundtrack: “I'm the Man Who Murdered Love” von XTC

Think about it!

Montag, 6. September 2010

Das Uebliche

Unueblich ist fur eine Deutsche alles in Indien; die Hitze, das Essen, die Kleidung, die Menschen.
Und damit ist das Ueblich abgedeckt.
Ein Flug, der fuer viele Menschen eigentlich ein Kinobesuch ist, oder wenigstens eine Modenschau, was die wunschershoenen Stewardess angeht, ist fuer diese Deutsche unueblich. Alice In Wonderland und Clash of the Titans stalen mir die Zeit bis zu dem Essen, bei dem sich sogleich die Unterhaltung mit einem Inder aus Bombay anstellte, welcher angeblich einen einzigartegen Namen besitzt - aufgrund seiner kreativen Grossmutter. Jener Inder empfahl mir und Anne, wir sollten uns doch das Nachtleben in Bombay ansehen, was wir im Stillen dankend ablehnten.

So zu der ueblichen Frage des unterdruekten Geschlechts: Kleidung und Schmuch waren langezeit Statusszmbol der Frauen, an denen die Maenner erkannten, welche Blicke erlaubt waren. Auch heute kann der auf den Ruecken haengene Teil des Sari noch als Reisleine benutzt werden, sollte die Tocher, deren Schrittgeschwindigkeit man an den Gloeckchen am Knoechel erhoeren kann, weglaufen, um eine Liebeehe zu begehen. Doch in Bombay duerfen nur Maenner in Begleitung mindestes einer Frau einen Club betreten, um scher zu stellen, dass er nicht nur aus einem Grund dort ist. Frauen hingegen haben meist freien Eintritt und kaum ein Barkeeper wuerde einer Frau einen Drink nicht sofort ausgeben, sollte sie nett laecheln.
Vielleicht eine unuebliche Meinung, aber in diesem Fall ist das maennliche Geschlecht benachteiligt.

Und weil es so schoen ist, nor mehr uebliches: Grosst\staette sind drecking und laut, Inder sind kleiner als Europaer, Hize bringt Menschen ins Schwitzen, das Fremde ist eine Herausforderung und Herausforderungen sind da, um gemeistert zu werden.

Weil es so ueblich ist, verlasse ich nun das Internetcafe. Meine Reise erreicht morgen ihn Ziel in Thanjavur, wo ich die naechsten Monate verbringen werde.

Keep up with me posts(schottischer akzent)

PS: diese Deutsche wurde fuer ihre Lernfaehingkeit und Auffassungsgabe gelobt - man fordert mich besser nicht im "Wasser trinken ohne Flasche an die Lippen zu setzen" heraus!