Montag, 13. September 2010

Der Sari

“Meine Mama wäre stolz auf mich, weil ich schon am ersten Wochenende eine Frauenbewegungskonferenz besuchte; meine Schwester wäre stolz auf mich, weil ich auf der Zugfahrt ein Gewitter beobachtete und die meterologischen Gegebenheiten verstand; meine Papa wäre stolz auf mich, wegen der Bilder, die mit seiner Kamera zu stande kommen und meine große Schwester wäre stolz ob der Geduld, die ich den Kinder gegenüber zeige.“
Dass ich die Konferenz bloß einer Freundin wegen besuchte, die in dem Kinderheim arbeitet, welches Veranstaltungsort ist, und dass ich mich nur an den Erdkundeunterricht erinerte, weil die Zugfahrt ebenso langweilig wie langwierieg war, und dass ich zwar Bilder machen, jedoch das Kamera-PC-Verbundungs-Kabel vergessen habe, und dass ich nur so geduldig bin, weil ich ihre Sprache nicht spreche und kaum Wiederworte geben kann – all das muss schließlich niemand wissen :)

 “Schnee drüber, Schwamm von Gestern” (Oma aus Spiderman 2)

An besagtem Wochenende trugen wir auch unsere ersten Saris, Meterlange kunstvoll gewickelte Stoffbahnen, die gefühlt mehr nackt machen, als sie in die keusche Kultur zu passen. Obgleich ich mich erinnerte, wie und wann gefaltet werden musste, überließ ich das Meisterwerk einer Ehemaligen, die auch gerade zu Besuch in besagtem Kinderheim war. Wir alle fanden die Resultate ihere Arbeit äußerst indisch und unglaublich schön. Nur so vor Freude auf den zwei einhalbstunden langen folgenden Gottesdienst strotzden begab ich mich auf die Dachterasse vor unserem Zimme und rief “Annakka”, eine und begleitende Kindergärtnerin, zu. Sie schaute lächelnd zu mir auf und verkündete, sie hätte Blume für unsere Haare gekauft. Da stapfte sie schon die Treppen hinauf.  Wer das gewickelt hätte, bat sie zu wissen. Stolz wie Egon verwies ich auf Janna. Annakka rief zwei weitere Frauen hinauf und mit den beiden sie begleitenden machten sich die Fünf auf, uns eine echtes “Indan-makeover” zu geben.

Die Saris wurden abgewickelt, neu gewickelt, gefalten, ge-sicherheitsnadelt; die Zöpfe wurden aufgetrennt, die Haare neu gebüstet und die Jasmingirlanden ins Haar gesteckt. Ja, wir wurden zu echten, hübschen Frauen!
… Bis auf die kleine Tatsachte, dass die Schneiderin der Blusen etwas gepatzt hatte und mein Büstenhalter sich freudig der keuschen Kirchgemeinde präsentieren wollte... wozu hat man Sicherheitsnadeln und meterlangen Stoff, wenn nicht, solche Kleinigkeiten auszubessern!?

“Schwamm drüber, Schnee von Gestern!” Ich freue mich auf die nächsten Saris und nicht nur, weil sie wieder “schopping” bedeuten, sondern, weil es Kulturrepräsentanten einer der ältesten Kulturen der Erde sind, die den weiblichen Körper – ob schlank, ob wohl geformt, ob üppig – in Szense setzen und dabei nur Andeutungen der Schönheit zulassen, die Gott als den weiblichen Körper schuf.
Jede Kultur hat Schwachstellen, doch sieht man die indischen Frauen, ihre Tänze, ihre Kleidung, ihren Schmuck und ihre Schönheit, dann weiß man, dass nicht alles nur Schlecht ist, was in einem Vergleich schlecht darsteht.

Für diese Wochte einmal ein Lied aus dem Gilmore Grils Soundtrack: “I'm the Man Who Murdered Love” von XTC

Think about it!

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